Chronik

 

  • Veranstaltung

    100 Tage Hildesheimer Stadtbaurat Dr. Kay Brummer

    Dienstag den 28. Oktober
    Hildesheim

    100 Tage Hildesheimer Stadtbaurat Dr. Kay Brummer 01
    100 Tage Hildesheimer Stadtbaurat Dr. Kay Brummer 02
    Gemeinsame Veranstaltung des AIV-Hildesheim und der HAWK-Bauwesen in der Aula der HAWK.

    Nach der Begrüßung und einleitenden Worten durch den Dekan Prof. Dr. Alfred Breukelman und der AIV-Vorsitzenden Dagmar Schierholz-Heilmann stellt der Studiendekan Prof. Echtermeyer die Bachelor-Studiengänge der Fakultäten Bauwesen und Bauingenieurwesen den etwa 45 Anwesenden vor.

    Herr Dr. Bummer äußert zu Beginn seiner Rede, dass er nach Abschluss seines Studiums in Hannover seit mehr als 7.000 Tagen „im Amt“ ist. Nach Tätigkeiten u. a. in Braunschweig, wie auch als Leiter des Stadtplanungsamtes in Borken ging er nach der „Wende“ nach Magdeburg und arbeitet dort in unterschiedlichen Behörden, bevor er die letzten 7 Jahre vor seinem Wechsel nach Hildesheim beim Landkreis Goslar als Kreisbaurat tätig war.

    In Hildesheim ist er nun seit 120 Tagen im Amt und aktuell dabei, „auf einen fahrenden Zug“ aufzuspringen und darin das passende Abteil und den passenden Sitz zu finden.

    Bedächtig und mit Charme trägt Dr. Brummer vor, wie er sich gemeinsam mit dem Stadtrat, der Verwaltungsspitze, den Verwaltungsmitarbeitern und den Bürgern für die kleinste Großstadt Deutschlands engagieren möchte. Seiner Auffassung nach unterscheide sich prinzipiell ja eine kleine Großstadt nicht von großen Großstädten. Am Ende wird überall für die gleichen Themen nach Antworten gesucht und man trifft überall die gleichen Repräsentanten unterschiedlicher Institutionen, Einrichtungen etc.

    In Hildesheim muss Herr Dr. Brummer „Fahrt aufnehmen“, um Antworten auf die aktuell anstehenden städtebaulichen und ihm bisher angetragenen Themen zu finden. Dieses sind Facility Management, Hafenerweiterung, B 6-Anbindung an die A 7 mit der damit verbundenen Entwicklung des Gewerbegebietes Nord, Thematik des HIT-Marktes in Ochtersum, Entwicklung der Bernwardstraße, der Arnekengalerie, der Bahnhofsarkaden, des Sportstätten- und Bäderkonzeptes. Dazu kommt die Verwaltungsumstrukturierung, die Umsetzung des Luftreinhalteplans, die Entwicklung des Michaelis-Viertels zur 1.000-Jahrfeier St. Michael, Verbrauchermarkt Neuhof, Ansiedlung des Verbandes der Metallindustrie in der Innenstadt, Weiterentwicklung des HAWK-Standortes, wie auch des Uni-Standortes, Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes nach nunmehr über 70 Änderungen, Stadtumbau Moritzberg, wie auch Stadtumbau Ost.

    Wichtig ist Herr Dr. Brummer, die Kreativität seiner Mitarbeiter, die Transparenz in der Verwaltung, als auch die Transparenz nach außen im Sinne einer stärkeren Bürgerbeteiligung zu fördern. Dieses gilt speziell in der Bauleitplanung, in der die Öffentlichkeit ein Anrecht auf Mitwirkung hat.

    Um das Stichwort „Visionen“ aus einem Vorabgespräch aufzunehmen, sieht Herr Dr. Brummer drei Aufgaben für sich:
    1.Entschlackung (Less is more); hier speziell unter dem Aspekt der angespannten Haushaltslage. Dabei ist ihm die Unterscheidung zwischen Bedürfnis und Bedarf äußerst wichtig. Liebhaberei darf seiner Ansicht nach nicht an vorderster Stelle stehen.
    2.Konturen stärken – d. h. Charakter schaffen.
    3.Nicht Hannover nacheifern, nicht an anderen orientieren, dabei aber auch nicht vergessen in andere Städte auszuschweifen um sich dort umzusehen.

    Herr Dr. Brummer sieht als eine große Eigenart von Hildesheim den 50-Jahre-Charme. Hier gibt es eine große Aufgabe speziell unter dem Hinblick der Einhaltung der EnEV (Energieeinsparungs-verordnung). So ist u. a. auch der soeben durchgeführte Wettbewerb „Hindenburgplatz“ mit seinen 50-Jahre-Bauten zu sehen.

    Herr Dr. Brummer hält es für wichtig, vorhandenes herauszustellen. So stellt sich Hildesheim als die erste Stadt, von Norden betrachtet, am Rand der Mittelgebirge dar. Dieses ist u. a. im Zusammenhang mit der derzeit noch im Entstehen begriffenen Metropolregion herauszuschälen.

    Herrn Dr. Brummer liegen die Quartiersbildung und die Herausarbeitung der jeweiligen Qualitäten am Herzen, wie es in der Nordstadt abschließend stattfindet und in Drispenstedt bereits in weiten Zügen erfolgt ist. Z. Zt. gilt dieses für die Erneuerung von Straßenzügen in der Neustadt und in Zukunft für den Stadtumbau der Oststadt und des Moritzbergs. Sie dürfen und müssen sich seiner Auffassung nach als eigene Stadtteile darstellen. Die jeweilige Identität darf nicht verloren gehen.

    Herr Dr. Brummer schätzt die Aufgaben der energetischen Gebäudesanierung als außerordentlich wichtig ein. Wobei ihm aber, speziell unter der sehr angespannten Haushaltslage Hildesheims, die Betrachtung der Verhältnismäßigkeit der Investition zum Einsparungspotenzial wichtig ist.

    Die Stadt Hildesheim hat nach Auffassung von Dr. Brummer einen Wert als wieder aufgebaute Stadt. Ihm ist es wichtig, Kulturschutz zu betreiben, anstatt klassischem Denkmalschutz. Es gilt, Kategorisierungen zu schaffen und die Stadt nicht als Museum weiter zu entwickeln, sondern als Stätte zum Leben.

    Auf die Rückfrage der Kompatibilität des umgestülpten Zuckerhutes mit der 50-Jahre-Umgebung sieht Herr Dr. Brummer diesen Konflikt aktuell unter dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“. D. h., dass durch den umgestülpten Zuckerhut weiter Touristen angezogen werden, wie es sich auch hinsichtlich der ehemals sehr umstrittenen Rekonstruktion des Marktplatzes erwiesen hat, der für die Stadt als Magnet wirkt.

    Im anschließenden Gespräch weist Prof. Martin Thumm Herrn Dr. Brummer darauf hin, dass es in Hildesheim einen Master-Studiengang für Baudenkmalpflege gibt. Seitens dieser Fakultät wird der Wiederaufbau des umgestürzten Zuckerhutes als sehr kritisch betrachtet. Herr Dr. Brummer vertritt die Betrachtungsweise, für Touristen einen Mix aus allen Epochen bereit zu halten, so weit dieses möglich ist. Vom nicht fachkundigen Publikum wird schnell alles was alt wirkt, als schön betrachtet.

    Im weiteren Gespräch wurde das Thema der HAWK-Campusentwicklung auf dem ehemaligen Gelände des städtischen Krankenhauses diskutiert. Dies ist eine einmalige Chance, die Hildesheim hier ergreift. Es gilt für einen stärker bebauten Teilbereich des dann ehemaligen Krankenhausgeländes und einen, aktuell weniger bebauten Teilbereich einen attraktiven Wohnstandort zu entwickelt. Dort soll über den B-Plan ein sehr hoher energetischer Standard als „Vorzeigeprojekt“ festgelegt werden.

    Auf die unter dem Aspekt seiner zweiten Vision „Konturen schärfen“ gestellten Frage zu seiner Einstellung hinsichtlich der möglichen Aufwertung der Innerste-Aue durch eine Gartenschau, in der u. a. auch das Sportflächenkonzept einer weiteren Lösung herbei geführt werden kann, verweist Herr Dr. Brummer auf die derzeit noch laufenden Diskussionen; mit dem Hinweis auch hier zwischen Bedarf und Bedürfnis unterscheiden zu müssen.

    Auf die Frage, welcher Typ von Stadtbaurat er sei, äußert Herr Dr. Brummer, dass es Stadtbauräte gab, die Städteplaner mit Lieblingsprojekten waren. Er sieht seine Aufgabe als Chef einer Bauverwaltung eher in einer stärkeren Mitarbeitermotivation und –kompetenzentwicklung, um fachliche Qualitäten noch deutlicher nach außen tragen zu können. Ferner möchte er die Weiterentwicklung des städtebaulichen Wettbewerbswesens fördern. So plant er für den Angoulêmeplatz beispielweise aus den Partnerstädten von Hildesheim, Initiale in die Stadt zu holen. Der Blick von außen erleichtert die Erkenntnis: „Was passt in diese Stadt?“.

    Im Anschluss an den Vortrag von Herrn Dr. Brummer und die gemeinsame Diskussion klang der Abend in kleinen Kreisen bei Getränken, Snacks und interessanten Gesprächen aus.

    Uwe Michel