Chronik

 

  • Veranstaltung

    Baustellenbesichtigung des Weinbergcampus

    Donnerstag den 25. September

    Baustellenbesichtigung des Weinbergcampus 01
    Kurz vor der offiziellen Einweihung des Weinbergcampus konnten wir unter kompetenter Führung von Herrn Weiss und Herrn Hager vom staatlichen Baumanagement einen ersten Blick auf die Anlage werfen. Leider war für diesen Termin im Gegensatz zum Dom das Interesse eher mager. Neun Erwachsene und die Tochter von Tina Wuttig fanden sich ein. Hier zunächst die Chronik sowie Fakten und Daten des HAWK Campus: Die Lüder Unternehmensgruppe erwirbt nach Abzug des damaligen Rhönklinikums das gesamte Gelände des ehemaligen Städtischen Krankenhauses, in Verhandlungen mit dem Kultur- und Finanzministerium werden Flächen für die HAWK ausgehandelt. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs bzw. einer so genannten Mehrfachbeauftragung wurde der Entwurf der Vorarlberger Architekten Eberle und Baumschläger zum ersten Preis gekürt. Vor allen Dingen weil sie mehrere bestehende Gebäude einbinden und einen klassischen Campus schaffen. Der 40 m hohe Bücherturm wurde schon gleich auf die Hälfte gestutzt. Wegen des gedeckelten Kostenrahmens vom Land wurde Planung und Durchführung des Projektes von der Unternehmensgruppe Lüder dem Generalübernehmer Schulze und Partner aus Hannover übertragen. Danach erfolgte ein Kaufvertrag zwischen Lüder und dem Land Niedersachsen. Wie aber alles genau gelaufen ist, ist für Außenstehende vollkommen unklar.
    Konzentrieren wir uns deshalb im weiteren Bericht auf die belegbaren Fakten. Das Campus-Areal umfasst insgesamt 21 500 m2, davon sind 9 600 m2 Nutzfläche der HAWK. Herzstück ist der gegenüber des Wettbewerbsvorschlags auf sieben Geschosse geschrumpfte Bibliotheksneubau, der in den beiden unteren Geschossen Hörsäle und Seminarräume besitzt. In den 5 Obergeschossen sind die bibliophilen Bestände aller Fachbereiche zusammengefasst. Insgesamt gibt es hier 70 000 Monographien, davon drei viertel Print und ein viertel Digital. Nur ein Gebäude, das frühere Haus 15, wurde erhalten, entkernt und umgebaut. Weiter sind drei Neubauten mit einmal vier und zweimal zwei Geschossen entstanden. Insgesamt sind 21 000 m2; davon 10 000 m2 Hauptnutzfläche entstanden. Der Kostenumfang beträgt heute 52 Millionen €, davon sind für die Gebäude 46 Millionen € verbaut worden. Nach Fertigstellung werden alle Fakultäten der Abteilung Gestaltung sowie Teile der Fakultät Bauen und Erhaltung, die zentrale Bibliothek und Teile der Verwaltung die Gebäude nutzen. Von den 3000 Studenten der HAWK werden hier 800 Absolventen einen Studienplatz finden.
    Unsere Begleiter führten uns in nahezu alle Bereiche, von der Bibliothek, durch die Seminarräume bis zu den Werkstätten. Hier wurden schon Vorbereitungen für den Einzug getroffen, wie in der gewaltigen Grobschmiede, aber auch bei den Silber- und Goldschmiedeplätzen, die total neu eingerichtet wurden. In den Werkstätten der Restauration konnten wir zwei Studierende bei der Aufarbeitung eines Gemäldes beobachten.
    Neben der grauen Kistenarchitektur der Zweckbauten war auch im Inneren wenig Gestaltungsqualität erkennbar. Der Professor Garbrecht für Schmiedearbeiten fragte mich, was ich von der Gestaltung der Treppengeländer, insbesondere des Handlaufs halte. Wir waren beide einhellig der Meinung „banal und griffunfreundlich. Überhaupt wurde überall gespart. Zum Beispiel erzählten die Baubetreuer, dass der Finanzminister Möllring die eigentlich notwendige Klimaanlage für die Computerräume mit der Erklärung gestrichen hat, man könne ja ab und zu das Fenster öffnen. Einhellige Meinung der Architekturkollegen, das hier der Begriff Baukultur absolut verfehlt ist, und für eine Lehrstätte für Gestaltung unwürdig!
     

    Kontakt: Walter Nothdurft