Chronik

 

  • Exkursion

    Baustellenbesuch des Mariendoms am 18. Juli 2014

    Freitag den 18. Juli

    Baustellenbesuch des Mariendoms am 18. Juli 2014 01
    Vor der offiziellen Eröffnung des sanierten Mariendoms konnten unsere Vereinsmitglieder unter der kompetenten Führung unseres zweiten Vorsitzenden und Dombaumeisters Norbert Kesseler noch einmal die Ergebnisse der restaurativen Sanierung besichtigen. Das Interesse war so, dass wir die Teilnahme auf unsere Mitglieder und maximal eine Begleitpersonen beschränken mussten. Alle waren gespannt auf die Veränderungen im Kircheninnenraum ein überaus komplexes Projekt.
    Nach den Plänen des Köllner Architekten Johannes Schilling war eine Sanierung nach mehr als 50 Jahren seit dem Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung notwendig geworden. Die Substanz des Weltkulturerbes galt es grundlegend zu erhalten und gleichzeitig an mehreren Stellen eine Wiederherstellung des ursprünglichen romanischen Erscheinungsbildes zu bewirken.
    Wesentliche Leitlinie war die liturgische Mittelachse, von der Bernwardtür, über das Tauchbecken, den Heziloleuchter, den Hauptaltar bis zur Irmensäule. Neben der Absenkung des Fußbodens um 40 cm und den Austausch des Marmorfußbodenbelags durch einen hellen Elbsandstein, erhielten alle Pfeiler und Säulen neue Basen.
    Die Bernwardtür wurde zurückversetzt an ihren ursprünglichen Standort zwischen Vorhalle und Kirchenschiff. Die Zugänge zur Krypta vom Kirchenschiff wurden wieder geöffnet, und dazwischen eine neue Bischofsgruft platziert. Der Hochaltar wurde vom Künstler Rückriem als gespaltener, innen vergoldeter Naturstein gestaltet. Der gesamte Innenputz wurde abgeschlagen und durch neuen hellen Kalkpinselputz ersetzt.
    Die Beleuchtung wurde komplett neu gestaltet durch LED-Leuchten in Deckenschlitzen. Die Heizung, Elektrik, Lüftung und Brandschutz wurden auf neueste Anforderungen durchsaniert. Die alte Orgelempore wurde total entfernt, und die komplett neue Orgel als frei tragende Konstruktion, so genanntes Schwalbennest, ist modern gestaltet. Bei unserer Baustellenbesichtigung war der Orgelbauer dabei, dieses neue Schmuckstück zu stimmen, und demonstrierte uns dabei die klanglichen Möglichkeiten dieses größten aller Musikinstrumente. Das Prospekt wurde völlig neu gestaltet, jedoch unter Wiederherstellung von 58 Registern und damit ca. 3200 Pfeifen der alten Orgel, das sind ca. 80 % der neuen Orgel, die jetzt 77 Register hat.
    Die Demonstration des Orgelbauers war ein unbeabsichtigter zufälliger Höhepunkt unserer Führungen und für alle tief beeindruckend. Die sogenannte Chororgel und die Chortribüne in zwei nördlichen Seitenkapellen scheinen doch ein sehr großes Kompromissangebot zur fortgefallenen Empore. Kirchenmusikveranstaltungen bekommen immer größere Bedeutung im Kirchenalltag, auch in anderen Kirchen, zum Beispiel Michael und Andreas, ist das der Fall.
    Auch die neuen Chor- und Obergarden Fensterscheibengestaltung werfen Fragen auf. Hat man hier wohl die Schutzfolien vergessen? Nein, man hat in der Scheibenmitte mit einem besonderen Schmelzverfahren diesen Mattierungseffekt erzielt. Die besondere Wirkung dieser Transparenz findet im großen Chorfenster ihren Höhepunkt, wenn die Zweige des 1000-jährigen Rosenstock im Wind schwingen.
    Auch die bewusste Freilegung und das sichtbar Belassen der Oberfläche der Betonpfeiler und Säulen aus dem Nachkriegswiederaufbau stößt zunächst auf Irritation, findet aber sehr schnell bei fast allen Fachbesuchern verständliche Zustimmung. Nach diesem Rundgang fällt bei allen Teilnehmern einhellig die Meinung, dass unser Dom, ja, es ist unser Dom, durch die erhellende Sanierung eindeutig gewonnen hat. Mal sehen, wie der einfache und unbenommene Kirchgänger das sieht.
     

    Kontakt: Herr Walter Nothdurft