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Chronik

 

  • Veranstaltung

    Besuch Baustelle St. Lamberti

    Freitag den 27. April

    Besuch Baustelle St. Lamberti 01
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    AIV auf der Turmbaustelle von St. Lamberti

    Etwa 30 Mitglieder und Gäste des AIV Hildesheim nutzten die Gelegenheit zum Besuch der Baustelle an und auf der Lambertikirche zum Wiederaufbau des Turmhelms.
    Im Turmeingang erläuterte AIV-Mitglied Dipl.-Ing. Jürgen Götz anhand von Plänen und einer Fotomontage der Lambertikirche mit dem neuen Turmhelm die Entwicklung.
    1996 hatte sich aus Bürgern der Hildesheimer Neustadt ein Verein zum Wiederaufbau des Turmhelms gegründet. In vielen Aktionen sammelte der Verein Spenden und gab den Auftrag zur Planung des Helms. Ein Bauantrag wurde gestellt und eine (kommunale) Baugenehmigung erteilt. Nach dem Loccumer Vertrag hat die ev.-luth. Landeskirche Hannovers das Entscheidungsrecht. Sie muss lediglich das Benehmen mit der staatlichen Denkmalpflege herstellen, so dass die Kommunale Baugenehmigung nicht ausreichend ist für den Wiederaufbau.
    Im Herbst 2005 entschied die Landeskirche, dass die gewählte Turmhelmkonstruktion so nicht zur Ausführung kommt.
    Am 20.4.06 wurde unser Büro Dipl.-Ing. Götz & Ilsemann mit einer Neuplanung der Turmkonstruktion nach Grundsätzen der ev.-luth. Landeskirche beauftragt. Ein neuer Bauantrag musste gestellt werden, Baukosten ermittelt und Ausschreibungsunterlagen erarbeitet werden.
    Die konstruktiven Probleme am Kirchturm speziell aus der Sonnenbelastung und der einhergehenden Verdrehungsneigung von spitzen Kirchtürmen erläuterte Herr Götz und bezog sich auf Georg Moller (1784-1852), der Architekt, Konstrukteur, Bauforscher und Denkmalpfleger. Er schrieb 1818 an Goethe „...da es ganz an einer festen Norm für .../ Kirchen / ...fehlt, so wird wenig Gutes zu Tage gefördert.“ „Unsere Vorfahren hatten für ihre Tempel gewisse Normen....“ Er bat Goethe als Weltgenie, aus den vielen Baufehlern an Kirchen resultierend, um einen Rat für sichere Bauten. Goethe wusste auch keinen Rat zur Vermeidung der vielen Turmbaufehler. So forschte Moller selbst und schrieb seine Erkenntnisse „über die Konstruktion der Gebäude des Mittelalters in technischer Hinsicht“ nieder. Bei Moller kommt die zu Anfang des 19. Jahrhunderts übliche Einheit von Ingenieur und Architekt in beeindruckender Weise hervor.
    Diese Mollerschen Schriften aus der 1. Hälfte, wurden Ausgangs des 19. Jahrhunderts unter Prof. Haase in Hannover wieder aufgegriffen und speziell für spitze, hohe Kirchturmbauten verbindlich in der Hannoverschen Landeskirche.
    Für die ganze Problematik ist im Büro Götz & Ilsemann in Jahrzehnten angesammeltes Wissen für den Lambertikirchturmhelm zur Anwendung gekommen.
    Die Teilnehmer der Führung hatten das große Vergnügen auf den ca. 30 m hohen Turmschaft mit dem Aufzug zu fahren und im Detail die Holzkonstruktion und ihre Verbindungen zu bestaunen. Es ist eine dauerhaft wirksame Helmkonstruktion entstanden, deren Größe erst oben auf dem Turmschaftkopf zu ermessen ist.
    Am 4.5.07 ist Richtfest. Herr Götz berichtete, dass nach vielen Kirchen und Kirchtürmen die im Büro Götz & Ilsemann erarbeitet wurden Lamberti in Hildesheim eine besondere Herausforderung darstellt. Mitten in der Neustadt erfreut sich diese Baustelle über großes, öffentliches Interesse. Herr Franke, AIV Mitglied und Mitarbeiter im Büro Götz & Ilsemann, trägt die Bauleitung und Frau Roeder ebenso Mitarbeiterin im Büro Götz & Ilsemann zeichnet verantwortlich für die Statik.
    Erstmals sind Ausführungspläne in 3D-Computergesteuert für den Einschnitt und Abbund verwendet worden.
    Im Büro herrscht bei allen Mitarbeitern Stolz und Freude über das Gelingen dieser großen, komplizierten Aufgabe.

    Dipl.-Ing. Jürgen Götz