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Chronik

 

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    Dresden Exkursion Teil 1

    Freitag den 07. Mai bis zum Sonntag den 09.

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    Die Landeshauptstadt Dresden hat in den Jahren nach der Wende an Reiz und Ansehen gewonnen.

    Dem Neuen in der Dresdner Architektur galt vorrangig unsere Reise. Dennoch, am barocken Dresden kommt man nicht vorüber. Es ist das Pfund, mit dem in Dresden gewuchert wird.

    Es blieb die Stadt der Künste und der Wissenschaft. Universität und Hochschulen mit allen Fakultäten prägen das Leben.
    Die Altstadt aus Augustiner Zeit bestimmt die Silhouette. Hofkirche, Schloß, Brühlsche Terrasse,
    Semperoper und nun auch wieder die Frauenkirche sind Mosaiksteine dieses Bildes, das Kulissenhaftigkeit statt zentrale Altstadt darstellt, wenn auch in unvergleichbarer Pracht.
    Dagegen die Neustadt, bestimmt von großen Quartieren der Gründerzeit, die nun wieder lebt, mit einer ganz urtypischen Szene.
    Drei Tage erlebten wir, geführt von sehr engagierten und qualifizierten Kollegen aus Dresden, eine Vielzahl an Bauten mit Park- und Stadtlandschaft.

    1. Frauenkirche, die protestantische Kirche in Deutschland

    deren Wiederaufbau von Millionen Menschen auf der ganzen Welt begleitet wurde. Sie wurde zum Symbol der Deutschen Wiedervereinigung.

    Bereits im 11 Jh. Stand an Stelle der heutigen Frauenkirche eine Vorgängerkirche mit dem Namen „Unser Lieben Frauen“. Mehrfach umgebaut und schließlich zu klein, beschloss der Rat der Stadt Dresden 1722 eine neue Kirche zu errichten. Mit dem Bauentwurf und der Ausführung wurde der Ratszimmermeister George Bähr beauftragt. 1734 weihte man die Kirche mit der gewaltigen Steinkuppel, die als Krönung der Stadtsilhouette Dresdens berühmt wurde, ein. Als bedeutendste protestantische Kirche Deutschland zählt die Dresdner Frauenkirche zu den wichtigsten Werken europäischer Kultur- und Baugeschichte.

    Am 15. Februar 1945, zwei Tage nach der Bombardierung Dresdens, stürzte die ausgebrannte Sandsteinkuppel der Frauenkirche in sich zusammen und verblieb vier Jahrzehnte als Mahnmal auf dem Dresdner Neumarkt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gründete sich 1991 die Stiftung für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche.

    Bereits 1993 begann man mit der Enttrümmerung von 20.000 m³ Steinen und Schutt.
    Die archäologische Rekonstruktion hatte zum Ziel, soviel Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Im Juni diesen Jahres wurden nach neunjähriger Bauzeit die Turmhaube und das Turmkreuz auf die Frauenkirche aufgesetzt und damit der Wiederaufbau des Gotteshauses äußerlich abgeschlossen. Die endgültige Fertigstellung der Kirche soll mit einer Weihe im Oktober 2005 gefeiert werden.

    Besonders eindrucksvoll erlebten die Dresdner die Anteilnahme von Dresdenliebhabern im In- und Ausland. 130 Mio. € kostet der Bau, ca. zweidrittel der Summe stammen von Sponsoren und Spendern. Der Wiederaufbau wurde so ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende zum Akt der Versöhnung.

    Schierholz-Heilmann



    9. Das Stadtmodell Dresden

    Das Stadtmodell Dresdens ist im Altstädter Rathaus zu besichtigen. Herr Heßner, Stadtplaner bei der Stadt Dresden, erläuterte der Gruppe am Modell die aktuellen städtebaulichen Maßnahmen und Diskussionen. Als wesentlichstes Problem beschreibt er die kriegszerstörte, nur rudimentär wieder aufgebaute Innenstadt, die fehlende Mitte mit ihren zahlreichen Brachflächen: „Die Stadt lebt von ihrer Silhouette, dahinter ist es leer und hohl“. Die Wiedererlangung einer lebendigen Mitte ist und bleibt das wichtigste Ziel Dresdner Stadtplanung: „Die Stadt hat Stadtwerdung noch vor sich.“

    Folgende Projekte, denen man sich in den letzten Jahren auch über Wettbewerbsverfahren annäherte, bestimmen aktuell das Baugeschehen in Dresden:

    - Wiederaufbau des Neumarktes um die Frauenkirche
    Nach dem Wiederaufbau der Frauenkirche wird derzeit ein Mit- und Nebeneinander von Rekonstruktion und Neubau am Neumarkt diskutiert. Einigkeit herrscht darüber, das Viertel auf den alten Grundrissen wiederzuerrichten. Ziel ist es, die Frauenkirche vor einem würdigen Städtebaulichen und architektonischen Ort, der seiner Geschichte aber auch seiner Gegenwart entspricht, abzubilden. Zur Zeit werden am Neumarkt archäologische Grabungen durchgeführt.

    - Kulturpalast
    Eine Entscheidung über die Zukunft des Kulturpalastes wurde bisher nicht gefunden. Eine Bürgerinitiative plädiert für den Erhalt des Gebäudes, verschiedene Dresdner Architekten haben Gegenentwürfe zur Diskussion gestellt.

    - Altmarkt
    Die Bebauung des Altmarktes aus den 50er Jahren steht unter Denkmalschutz. Von der geplanten Nachverdichtung mit acht Baufeldern konnten bis heute fünf umgesetzt werden. Die Umgestaltung des Platzes nach den Ergebnissen eines im Jahr 2000 ausgelobten städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerbs ist noch nicht erfolgt.

    - Prager Straße und Wiener Platz
    Die Prager Straße war die Flanier- und Einkaufsstraße des alten Dresdens. Nach der Zerstörung überdimensioniert und weiträumig wiederaufgebaut, geht es heute um Nachverdichtung und die Aufwertung des öffentlichen Raumes. Die umliegenden Plattenbauten weisen einen hohen Sanierungsbedarf auf, es wird über Teilabriss diskutiert. Die Umgestaltung des Wiener Platzes als Stadteingang vom Bahnhof aus steht kurz vor dem Abschluss.

    Schierholz-Heilmann


    3. Neue Synagogelandtag von Architekten Wandel Hoefer Lorch + Hirsch, Saarbrücken / Frankfurt a. M.

    Bauherr: Jüdische Gemeinde, Dresden
    Architekten: Wandel Hoefer Lorch + Hirsch, Saarbrücken/Frankfurt am Main
    Wettbewerb: 1997
    Ausführung: 1998 – 2001
    Standort: am Hasenberg 1, Dresden

    Wer heute eine Synagoge baut, steht tief im Schatten der Erinnerung. Es sind die Schatten der Zerstörung, des Todes und die Schatten einer unauslöschlichen Schuld. Wer heut in Dresden eine Synagoge baut, trägt doppelt schwer an dieser Bürde, denn Dresden hatte einst eine Synagoge: Schön und prächtig im romanischen Rundbogenstil, erbaut im Jahre 1840 von Gottfried Semper. Ein goldener Davidstern als Hoffnungszeichen jüdischen Bürgerwillens wurde in der Reichskristallnacht am 9. November 1938 mit den Mitteln brutaler Gewalt vernichtet.

    Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, zählte die jüdische Gemeinde nicht einmal mehr fünfzig Menschen, aber sie wuchs durch Zuwanderung aus dem Osten und mit ihr der Wunsch nach einem Ort der geistigen Heimat. Eine neue Synagoge sollte entstehen, am alten Platz, aber doch ganz anders.

    Es sollte ein Bauwerk entstehen, das als -dennoch- Metapher vom neuen Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinde kündet, und zum Wegzeichen der Gemeinde werden könnte.
    Ausgangspunkt dieses Entwurfes war ein streifenförmiges, relativ steiles Grundstück am Ende der Brühlschen Terrasse, auf der die Synagoge mit dem jüdischen Gemeindehaus Platz finden sollte. Die Architekten trennten die beiden funktional konträren Bereiche und setzten jeweils an die Schmalseiten der Fläche einen kubischen Körper. Zur Elbe hin die Synagoge, zur Altstadt das Gemeindehaus und dazwischen den Hof. Auch der Hof ist zweigeteilt: Zur Synagoge hin mit einem zierlichen Platanenhain, zum Gemeindehaus glitzert er im Grundriss der historischen Semper-Synagoge als Scherbenfeld aus zerbrochenem Glas- allgegenwärtige Reichskristallnacht.

    Das Gemeindehaus ist zum Innenhof transparent und offen konzipiert, mit seiner über alle drei Geschosse verlaufenden Glasfront lädt es mit einer freundlichen Geste ein.
    Die Synagoge, mit hermetisch abgrenzenden Wänden aus massigen ockerfarbenen Betonformsteinen geformt, umschlisst den Ort introvertierter Andacht. Die Dynamik des archaischen Blocks entsteht dadurch, dass der mächtige Kubus in sich gedreht ist, aus der schrittweise Rotation der orthogonal angeordneten Quadereben der Synagoge resultiert die Verneigung nach Osten: dort liegt Jerusalem.

    Der Schritt ins Synagogeninnere offenbart das Prinzip - Raum im Raum - außen die mächtigen Wände, innen das luzide, nach Osten gewandte Zelt.

    Die Dresdner Synagoge will nur ein kleiner Tempel sein, eine fragile Stabilität des Augenblicks und ein Zeichen der Hoffnung und ein Ort der Geborgenheit in Mauern aus Stein.

    Marquardt



    4. Sächsischer Landtag Dresden

    Neuer Sächsischer Landtag, 1993-97
    Peter Kulka
    Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden

    Nur wenige Schritte hinter der Semperoper führt der Neue Sächsische Landtag die berühmte Dresdner Elbsilhouette in die Neuzeit. Der Dresdner Architekt Peter Kulka bezog dabei das 1931 im Bauhausstil errichtete ehemalige Landesfinanzamt in die Gesamtplanung ein. Mittelpunkt des breiten, schwarzgefaßten Glasbaus ist der Plenarsaal.

    Die Transparenz der Architektur versinnbildlicht die Bürgernähe des Parlaments. Besucher- und Pressetribüne und weitere Elemente stören bewusst die Harmonie von Quadrat und Kreis und sind so Zeichen für die dynamischen Kräfte im Plenum.

    Zur Stadt hin, oberhalb des durch ein Vordach einladend wirkendem Bürgereingang, ist ein Restaurant untergebracht mit einem herrlichen Ausblick auf Stadt und Elbtal.
    In diesem Restaurant verbrachten wir, nach einer interessanten Führung und dem Genuss, sich einmal als Abgeordneter des sächsischen Landtages zu fühlen, ein tolles Mittagessen. Auf der einen Seite genossen wir den Blick auf Dresden, während auf der anderen Seite unser nächstes Besichtigungsziel bereits wartete.

    M. Jung


    5. International Congress Center Dresden, 2004
    Storch Ehlers & Partner
    Neue Terrasse, 01067 Dresden

    In unmittelbarer Nähe zur Dresdner Altstadt führt das neue Dresdner Kongresszentrum die berühmte Elbsilhouette nach Westen zur Marienbrücke fort, ohne dominant zu wirken. Direkt neben dem Landtagsgebäude gelegen, greift das Gebäude den Wellenlauf der Elbe auf und setzt, vielleicht noch stärker als der Landtag, auf Leichtigkeit und Licht.

    Sämtliche Geschoss- bzw. Dachplatten sowie die Terrasse sollen schwebend und leicht erscheinen. Deswegen wurden alle Fassaden durchsichtig, gläsern ausgebildet. Mit Ausnahme der Südfassade vor Ausstellung, Küche und Verwaltung. Die Glasfassaden erhielten eine betont horizontale Gliederung aus stark hervortretenden Holzriegeln, die zugleich die Windkräfte auf die hinter der Fassade stehenden Stützen ableiten. Vertikalglieder konnten damit auf eine kleinste Dimension reduziert werden, um den Blick auf die aus Schrägsicht sich verkürzt darbietende Stadtsilhouette nicht zu verstellen.
    In dem Gebäude dominiert das 5.000 m² große Foyer, dessen Fußbodenebene stetig ansteigt. Der große Kongresssaal mit variabeler Bühne für bis zu 4.150 Personen und die 11 kleineren Säle orientieren sich zur Elbe und sind in Ihrer Farbigkeit sehr mutig gestaltet.

    M. Jung



    Im Fährhaus auf und in der Brühlschen Terrasse, bei Radeberger Bierausschank, beendeten wir den Tag. Herr Dipl.-Ing Henke, von 1990 bis 2004 Stadtbaurat in Dresden, begleitete uns den Tag über und ließ uns teilhaben an seinen Internakenntnissen der Dresdner Bauszene.