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Chronik

 

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    Exkursion nach Osnabrück

    Freitag den 12. Oktober ab 07:30 Uhr

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    Begrüßung im Rathaus der Stadt Osnabrück

    Am Freitag, den 12.10.2007 fanden sich morgens um 7.30 Uhr 16 AIV- Mitglieder einschließlich Angehöriger am Treffpunkt Pappelallee zu der angesagten Exkursion nach Osnabrück ein. Nach staufreier Anreise erreichten wir pünktlich Osnabrück. Geführt von Susanne von Weymarn erreichten wir unseren ersten Anlaufpunkt im Rathaus von Osnabrück. Wir wurden dort im Friedenssaal vom Baudezernent der Stadt, Herrn Griesert und von Herrn Kemna, Vorsitzender des AIV Osnabrück sowie weiteren Kollegen begrüßt. Dies geschah unter den Blicken der Porträts der Persönlichkeiten, die 1648 den Frieden von Münster und Osnabrück ausgehandelt haben.
    Nach der Begrüßung stellte uns Herr Griesert in Kurzfassung die Entstehungsgeschichte und die heutigen Entwicklungsschwerpunkte der Stadt vor. Ausgangspunkt war eine am Fluss Hase gelegene umwallte Siedlung, die heutige Altstadt. Die Namensgebung wird nach neuerer Auffassung von den Worten Hase- früher osna- und Brücke- früher brügge- hergeleitet. Bereits im Jahr 780 hatte Karl der Große Osnabrück als Bischofssitz bestimmt. Die damalige Siedlungsgröße lag bei ca. 800 Einwohnern. In unmittelbarer Nachbarschaft entwickelte sich die selbständige Neustadt, die später mit der Altstadt vereinigt wurde. Über die Jahrhunderte hat sich die Einwohnerzahl nur langsam entwickelt, um 1850 bewohnten die Stadt ca.10.000 Menschen. Erst mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Einwohnerzahl 50.000, die bis 1940 dann auf 100.000 anstieg. Durch Zuwanderung aus den deutschen Ostgebieten nach 1945 und durch Eingemeindungen ergibt sich heute eine Einwohnerzahl von 163.000.
    Aus den vielen Aufgaben, die eine Großstadt wie Osnabrück zu lösen hat, wurden einige Schwerpunkte vorgestellt. Zur Verbesserung der Verkehrsflüsse soll der Autobahnring geschlossen werden. Im Süden der Stadt verläuft die A30, auf der Westseite tangiert die A1 das Stadtgebiet. Als Ostumfahrung- Verbindung A30 zur A1- ist die A33 geplant und teilweise bereits ausgeführt.
    Die Fortführung wird durch Aufgabe eines Truppenübungsplatzes begünstigt. Im Stadtgebiet waren bisher vier Militärstandorte vorhanden, die alle aufgehoben werden. Es handelt sich dabei um mehr als 20.000 abziehende Soldaten der britischen Streitkräfte. In diesem Zusammenhang werden etwa 11.000 Wohnungen frei .An einem dargestellten Beispiel eines 70 ha großen Geländes wurden uns Pläne zur Umwandlung in gewerbliche Nutzung vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird in Osnabrück auf den Ausbau und die Gestaltung der Grünflächenanlagen in den ufernahen Bereichen des Flusses Hase gelegt. Die gezeigten Lichtbilder von vorhandenen und geplanten Anlagen war beeindruckend. Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen durch Abzug der britischen Streitkräfte wird die Stadt von einem erheblichen Abbau von Arbeitsplätzen bei der Firma Karmann bedroht.


    Felix-Nussbaum-Museum - Architekt Daniel Libeskind
    Führung: Felix-Nussbaum-Museum

    Das Felix-Nussbaum-Museum wurde 1998 als Erweiterungsbau des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück eingeweiht und enthält ausschließlich Bilder des deutsch-jüdischen Malers Felix Nussbaum, geb. 1904 in Osnabrück und gestorben 1944 in Auschwitz. Der Anbau ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der im Frühjahr 1995 mit 300 Teilnehmern durchgeführt worden war. Zur Umsetzung kam der Entwurf des 1. Preisträgers Daniel Libeskind. Der Bau umfasst eine Bruttogrundfläche von 2.425 m², die Baukosten beziffern sich auf ca. 7,0 Mio. €.
    Ziel des Entwurfs war die Schaffung eines räumlichen Kontextes, in dem die tragische Verknüpfung von Leben und Werk des in Osnabrück geborenen Künstlers zum alles bestimmenden Eindruck werden sollte. Mit einem System von Bezugslinien – zwischen Osnabrück, Berlin, Brüssel und Auschwitz – symbolisiert die Architektur die ständige Bewegung und zunehmende Orientierungslosigkeit im Leben Felix Nussbaums. Wesentliche Lebenssituationen Nussbaums werden einzelnen Gebäudeteilen zugeordnet. Der unkonventionelle Museumsanbau mit spitzwinkligen Räumen, abfallenden Böden und dunklen Betongängen besteht aus 3 Bauteilen, die durch ihre Materialwahl mit zeichenhafter Symbolik versehen wurden: Nussbaum-Haus (Material Holz), Nussbaum-Gang (Material Beton), Brücke (Material Zink).
    Es ist unmöglich, diese unkonventionelle Architektur mit einem Blick zu erfassen. Erst ein ausgedehnter Rundgang erlaubt es, sich eine Vorstellung in dem Gebäude zu machen. Maler und Architekt wurzeln in der gemeinsamen jüdischen Tradition. Bei beiden begegnet man einer antiklassischen und antiakademischen Haltung.


    Kamp Promenade – Einkaufszentrum
    Führung: Frau Schmidt, Centermanagerin; Herr Hoppe, ehemaliger Projektkoordinator der Stadt Osnabrück

    Die Kamp-Promenade ist ein multifunktionales Innenstadt-Projekt, mit dem ca. 13.000 m² Einzelhandels- und gastronomisch genutzte Flächen sowie ca. 3.200 m² Büroflächen geschaffen wurden. Der Verkehr wird in einer Tiefgarage mit 250 Einstellplätzen aufgenommen. Errichtet wurden die Neubauten nach einem Investorenwettbewerb 1998 auf einem brach liegenden, bisher als Parkplatz genutzten, städtischen Grundstück. Im September 2004 wurde die Promenade eröffnet.
    Auf der öffentlichen Fläche im privaten Besitz gruppieren sich 3 Gebäudeteile, die durch eine gedeckte Passage mit der Haupteinkaufsstrasse verbunden sind. Das Konzept bindet sich in die typische Stadtstruktur mit ihren kleinen Straßen und Plätzen ein. Der zentrale, sehr belebte Platz schafft eine offene Atmosphäre.
    2005 wurde die Promenade als „Bestes Europäisches Shopping Center“ aufgrund seiner „eindrucksvollen und ungewöhnlichen Architektur“ ausgezeichnet.


    Museum und Park Kalkriese – Die Varusschlacht im Osnabrücker Land
    Führung: Museum und Park Kalkriese sowie Frau Dipl.-Ing. Arch. Hackmann

    Die 7. Etappe der AIV Tagesexkursion führte uns in das Museum und Park Kalkriese mit der Museumsarchitektur des Züricher Architekturbüros von Anette Gigon und Mike Guyer (Foto Nr. 1) und dem aus einem Wettbewerb hervorgegangen Museumspark von Zulauf, Seippel, Schweingruber, Landschaftsarchitekten in Baden, Schweiz.
    Im Park erlebten wir die 20. Jahrhundert-Interpretation der Varusschlacht aus dem
    Jahre 9. n. Chr. räumlich und lokalisiert auf landschaftliche Zentralpunkte und –linien, die eine visuelle Erlebbarkeit, unterstützt durch Schrifttafeln in den Wegen (Foto Nr.2),
    1998 Jahre nach dem Kampfgeschehen ermöglichen.
    Die große historische Bedeutung des archäologischen Areals „Kalkriese“ als Beweis der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen ist z. Zt. weitgehend anerkannt.
    Die Funde im Museum der Architekten sehr schön dokumentiert, legen ein Zeugnis ab von römischer und germanischer Seite. Besonders die römische numismatische Sammlung sind die deutlich besseren Argumente für die Datierung in Kalkriese.
    Frühere Bestimmungsorte der Schlacht, wie z. B. auch Hildesheim – aus dem 1868 gefundenen Silberfund resultierend – müssen den historischen Beleg an Kalkriese abtreten.
    Die Forschung, so wurde uns bei der spannenden Führung durch das Museum erläutert, hat noch ein großes Feld der Untersuchungen vor sich. Viele internationale Tagungen, u. A. die Limeskongresse, die dreijährig an wechselnden Orten der römischen Grenzregionen tagen, präsentieren die neuesten Erkenntnisse auch aus Kalkriese. Wir waren beeindruckt von Münzen, Schwertscheiden, Klammern, Bronzeschnallen der Rüstungen und der Maske der Kriegshelden der Varusschlacht. (Bild Nr. 3)
    Der Park Kalkriese wird neben den musealen, archäologischen Führungen auch für spektakuläre Nachbildungen der Schlacht, u. A. von einer sich gegründeten Varusgesellschaft veranstaltet, genutzt. Der Park und das Museum sind eine große Investition für die Region, die schon nach wenigen Jahren alle positiven Vorhersagen an Zuspruch für den Tourismus erfüllt.
    Wir verabschiedeten uns mit der Erkenntnis, dass eine mutige Entscheidung, mit hohem Anspruch umgesetzt wieder zum Erfolg geführt hat.
    Unsere Rückfahrt im Bus war dann vom Dauerstau auf der A2 geprägt. Besonders unserem AIV-Vorstandsmitglied Frau v. Weymarn sei für die letzte Etappe des Tages Dank gesagt. (Bild Nr. 4)

    Jürgen Götz
    Dieter von Hoerschelmann
    Lutz Priebe
    Susanne von Weymarn