Chronik

 

  • Exkursion

    Exkursion Wrisbergholzen und Bodenburg

    Freitag den 13. April

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    Am Freitag, den 13.04.2007 fand die AIV-Frühjahrsexkursion 2007 „Besonderheiten in und an den Schlossparkanlagen von Wrisbergholzen und Bodenburg“ statt. Insgesamt haben 26 AIV-Mitglieder an dieser Exkursion teilgenommen.

    Erste Station war das gräfliche Schloss zu Wrisbergholzen mit dem einmaligen Emblem-Fliesenzimmer, dem Schlosspark, der Fayencemanufaktur und der Schloss-/Dorfkirche. Geführt wurden wir von Mitgliedern des „Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e. V.“ (Sitz: Unterdorf 9, 31079 Westfeld-Wrisbergholzen). Dieser Verein kümmert sich ehrenamtlich um die Erhaltung des Gesamtensembles in Wrisbergholzen.

    Durch die im Jahr 1736 errichtete Fayencemanufaktur Wrisbergholzen führte uns Herr Architekten Wolfgang Ness. Er berichtet, dass sie anfänglich als „Pfeifenfabrik“ geplant war. Doch der örtlich anstehende Ton war dafür nicht ausreichend genug geeignet. So ließ der Gründer, Rudolf Johann von Wrisberg einen großen, über zwei Geschosse reichenden Brennofen errichteten, der mit dem Buchenholz der umliegenden Wälder betrieben wurde. Von dem Ofen sind die Grundmauern und die Brennkammer noch zu erkennen. Von 1737 bis 1834 wurden Steingut und Fayencen für den zumeist täglichen Gebrauch erstellt und in der Umgebung wie in Hildesheim, Braunschweig, Göttingen vertrieben. Fayancen sind Keramik mit porösen Scherben, die mit einer deckenden weißen oder farbigen Zinnlasur überzogen sind. Dazu gehören auch großformatige Wandfliesen und Kacheln für Kachelöfen, die in der Umgebung z. T. noch in Betrieb sind.

    Das zweigeschossige Manufakturgebäude ist in seiner ursprünglichen Raumstruktur und Bausubstanz nahezu unverändert erhalten. Es ist das einzig erhaltene Beispiel eines als Fayence-Manufaktur errichteten Baus aus dem 18. Jahrhundert in Norddeutschland. In ihm sind zwei Wohnungen, die ursprünglich von den Brennmeistern bewohnt waren. Neben den Wohnungen und dem großen Ofenraum gibt es einen Drehsaal und einen Malersaal, Lagerkammern, eine großen Boden und zwei Warenzimmer. In ihnen sind auch einige bei den Ausgrabungen und Restaurierungen gefundene Gefäße und Scherben ausgestellt. Der Keller hat eine über das ganze Jahr fast einheitlich niedrige Temperatur und ist von Wasser durchflossen. Es sind dafür extra Rinnen im Boden eingebaut. Dieses ermöglicht die optimale Lagerung des für die Produktion notwendigen Tons.

    Das zwischen 1740 bis 1745 erbaute Schloss wird von der betagten Gräfin bewohnt. In ihm kann aktuell ausschließlich das Emblem-Fliesenzimmer besichtigt werden. Die Nebengelasse stehen zum Großteil leer. Die landwirtschaftlichen Flächen sind verpachtet.

    Die Führung im Emblem-Fliesenzimmers fand durch den Vereinsvorsitzenden, Herrn Landschaftsarchitekt Beck wie auch Herr Architekten Wolfgang Ness statt. Die Wände des Raums sind vollständig mit großformatigen, blau-weißen Fliesen verkleidet. Diese zeigen emblematische Motive. Sie basieren auf literarischen Vorlagen, reduzieren sich im Unterschied zu ihnen jedoch auf eine zweiteilige Form. Die verwendeten Sprachen sind Französisch, Lateinisch und Italienisch. Sie verweisen auf drei Lebensbereiche, nämlich Wissenschaft, Diplomatie und Kunst. Daneben gibt es einen zwölfteiligen Jahreszyklus. Die Entstehungsgeschichte ist nicht klar. Der Raum wurde als sommerlicher Speisesaal und wahrscheinlich auch als außerliterarisches Studierzimmer für die gräfliche Familie, aber auch interessierte Gesellschafts-/Gesprächskreise genutzt. Das Vereinsmitglied Dr. Johannes B. Köhler hat es eingehend untersucht und sein Werk „Angewandte Emblematik im Fliesensaal von Wrisbergholzen bei Hildesheim“ verfasst.

    Nach dem Gruppenfoto auf der Schlossterrassentreppe führte uns der Vereinsvorsitzende Herr Beck durch den Schlosspark. Er verweist darauf, dass die genaue Entstehungsgeschichte des Park noch nicht endgültig erforscht ist. Die heutige Anlage zeigt in etwa die Grundstrukturen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es dominieren freie, dem Vorbild der Natur nachempfundene Elemente bzw. Formgebungen. Die weitläufige Rasenfläche vor der Terrassentreppe wird von verschiedenen Solitärbäumen mit unterschiedlichen Blattformen und –farben, wie auch Baumgruppen gefasste. An sie schließt im Südosten ein Aussichtshügel mit restauriertem Teetempel an, von dem wir Besucher einen weitschweifenden Blick in die Kulturlandschaft genießen können. Im Norden ist ein bachähnlicher Wasserlauf mit Brücke und Kaskade zu erkennen, der in den Mühlenteichen im Nordosten mündet. Größere Teile des Parks sind noch verwildet. In aufwendiger Eigenleistung der Vereinsmitglieder wird der Park Stück für Stück von den wild aufgekommenen Gehölzen wieder frei gestellt. Blickachsen werden wieder hergestellt. Solitärbäume können ihre Pracht neu darbieten. Es finden aber auch Freistellungen von entwicklungswürdigen Exemplaren als Nachfolger für Altexemplare statt. Der Park strahlt etwas Märchenhaftes aus und wir alle werden allmählich langsamer und genießen das ‚Wandeln‘; ganz im historischen Sinn. Der Park ist nicht frei zugänglich. Er stellt ein geschütztes Biotop gem. § 28a Niedersächsisches Naturschutzgesetz (NNatG) dar. Dieses bedingt sich weniger aus der Artenvielfalt der Pflanzen, sondern aus der der zum Großteil geschützten Tierarten, wie z. B. Käfer, die z. T. die Borken der Bäume besiedeln.

    Zum Schluss des Rundgangs besichtigen wir am Nordwestrand des Parks noch die Orangerie. Auch sie befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Als erste Restaurierungsmaßna-hem wurde aktuell das Dach erneuert. Dadurch ist der weitere Verfall gestoppt. Die alten Heizkammern sind noch zu erkennen. Um die Orangerie wieder in Betrieb zu nehmen, bzw. für andere Veranstaltungen zu nutzen sind noch umfangreiche Arbeiten erforderlich.

    Vor der Weiterfahrt nach Bodenburg werfen wir noch einen kurzen Blick in die evangelische Dorf-/Schlosskirche. Schon in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts ist dort eine dem Hildesheimer Michaeliskloster gehörende Kirche nachgewiesen. Der Westturm stammt aus der Zeit um das Jahr 1200. Neben der schönen Holzkanzel auf einer bauchigen Achtecksäule ist die Empore der Schlossherrschaft mit eigenem Zugang erhalten.

    Insgesamt haben uns die Mitglieder des Vereins zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen umfangreiche Erklärungen und Einblicke in die Geschichte, die Restaurierungen und die noch notwendigen Arbeiten gegeben. Zur Unterhaltung und der Sanierung dieser einzigartigen Gesamtanlage steht noch sehr viel Arbeit an. Auf Grund der Besitzstruktur stehen dem Verein nur relativ geringe öffentliche Mittel zur Verfügung. Er ist auf Spenden und ehrenamtliche Tätigkeiten, auch bei der aktiven Parkpflege, angewiesen.

    Die Parkanlage, das Fliesenzimmer, die Schlosskirche und die Fayencemanufaktur sind jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals (jeweils der zweite Sonntag im September) geöffnet. Wer keine Möglichkeit hatte, an dieser Exkursion teilzunehmen kann sich dann einen eigenen Eindruck verschaffen. Weitere Informationen sind im Internet unter www.alfeld.de/wrisbergholzen zu finden.

    Uwe Michel