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Chronik

 

  • Exkursion

    Halle - Exkursion

    Samstag den 16. Mai ab 07 Uhr bis zum Sonntag den 17.
    Halle

    Halle - Exkursion 01
    Halle - Exkursion 02
    Unsere Fahrt begann morgens früh um 7.00 Uhr in Hildesheim mit einem Kleinbus, in dem unsere Kerngruppe: Lore und Lutz Priebe, Gudula und Wolfgang Rehkate, Dagmar Schierholz-Heilmann und Hajo Heilmann, Lisa Wurst-Nothdurft und Walter Nothdurft und Petra Wilke-Fischer gut unterkam. Auf der Nordharzautobahn, mit Blick auf den Brocken, ging’s gegen Halle. Zunächst trüb und wolkig, kam dort die Sonne heraus und begleitet uns dann das ganze Wochenende.

    Wir kamen so pünktlich an, dass bei Ankunft unser Gesprächspartner noch nicht eingetroffen war. Dafür erweiterte sich unsere Gruppe durch das Ehepaar Kraaz, die mit eigenem PKW anreisten, und Dagmars und Hajos Tochter Andrea, die direkt von ihrem Studienort Weimar kam. Zum Schluss erreichte uns unser Halle-Experte Christian Rieken – fahrradschiebend – die Kette war abgesprungen. Zwischenzeitlich traf aber auch Herr Pesch vom Büro-agn-Paul Niederberghaus & Partner GmbH ein.
    Das Büro baut nach einem Wettbewerbsgewinn die neue Theaterhalle der Uni Hildesheim auf der Domäne Marienburg. Herr Pesch ist der Projektleiter. Er zeigte uns das über drei Ebenen untergebrachte Architekturbüro in einem unter Denkmalschutz stehenden Gründerzeitgebäude. Die Hallesche Dependance, der in NRW gegründeten Architektengruppe verfügt über eigene Fachkräfte für Landschaftsplanung, Innenarchitektur und Statik. Projektschwerpunkt des Halleschen Büros sind z.Zt. mehrere Feuerwachen in der gesamten BRD. Die ausführlichen Fachgespräche unter Kollegen verdichteten sich auf das Thema: Energetisches Bauen.

    Dann kam aber bei allen Teilnehmern wegen des ausgefallenen Frühstücks der Hunger auf. Christian Ricken hatte in der Nähe des Landesmuseums für Vorgeschichte Platz in einem Restaurant geordert. Die Nähe nutzend, umkreisten wir vorab noch das restaurierte Museumsge-bäude und dessen auffälligen Labor- und Werkstattneubau. Die Architektursprache des Museumsaltbaus lässt an den Hildesheimer Bismarckturm erinnern. Beide Bauwerke stammen vom Architekten Wilhelm Kreis.
    Nach dem Essen mussten wir uns sputen. In der Franckeschen Stiftung wartete bereits unruhig der gebuchte Führer. Dafür war dann die Besichtigung durch die komplexe Anlage umso ausführlicher; keine Frage blieb unbeantwortet. Die aus der von Pfarrer August Hermann Francke 1695 gegründeten Armenschule hervorgegangene Gebäudeanlage wird heute in der Vorschlagsliste der UNESCO Weltkulturerbe geführt. Die umfängliche Gebäudegruppe konnte vor allen Dingen durch vielschichtige Unterstützung nach der „Wende“ gerettet werden. Besonderhei-ten sind u.a. die barocke Kulissenbibliothek von 1728 mit heute 33.000 historischen Bücherbän-den,, sowie die Kunst- und Naturalienkammer von 1740 mit ca. 5.000 Objekten aus aller Welt. Obwohl vieles inzwischen gerettet, restauriert und neuen adäquaten Nutzungen zugeführt worden ist, gibt es für einige Gebäude noch Sanierungsbedarf.

    Nach dem Einchecken im innenstadtnahen Hotel Ankerhof an der Saale, ging es fußläufig, von Christian Rieken mit viel Detailkenntnis geführt, ins Herz der Stadt. Vorbei an dem Neubau des MDR und der Händelhalle über den Hallmarkt mit lustigem Figurenbrunnen, mit sowohl erhaltenen, sanierten historischen Bauten, wie auch anpassirischen Plattenbauversuchen. Auf dem heutigen Marktplatz versuchte Christian R. uns seine Vorstellung von der Notwendigkeit der Rekonstruktion des historischen Rathauses vor dem heute als Rathaus genutzten Bauhof von 1928/29 nahezubringen. Uns erinnerte das nicht so sehr an unsere Marktplatzrekonstruktionen, sondern eher an die unplatzierte Zuckerhutneuschöpfung in Hildesheim. Die Hauptfußgängerzone in Halle ist die Leipzigerstraße vom Marktplatz zum Bahnhof. Ähnlich wie in Hildesheim wird sie von einer Hauptverkehrsstraße, hier der Hansering, durchschnitten. Im 2. Abschnitt zum Bahnhof hin wird sie, mehr noch als in Hildesheim, minderklassig, was das Kaufangebot betrifft.

    Den ersten Tag lassen wir in der mit gemütlichen Straßenrestaurants belebten Sternstraße ausklingen. Auch in Halle wird der Abschied von der Junggesell/Innenzeit ausgiebig zelebriert.
    Der Sonntag beginnt mit Sonnenschein und nach individuell eingenommenem Frühstück folgt ein Spaziergang zur Moritzburg, auch hier wieder mit kenntnisreichen „by the way“ Infos von Christian R.. Vor der Moritzburg stoßen Sven Ladwig (Mitarbeiter des Planungsamtes Hildesheim) und seine Ehefrau zu unserer Gruppe. Hier werden wir von der Museumsleiterin begrüßt und erhalten eine Kurzführung durch das Museum mit Informationen zum Ausstellungskonzept.
    Anschließend erläutert der Architekt Sebastian Sasse die Umbaumaßnahmen des Museums. Er betreute die Umsetzung der anspruchsvollen Planung des spanischen Architekturbüros Nieto Sobejano Arquitectos (Wettbewerbssieger) vor Ort. Es ist schon beeindruckend mit welchen technischen Raffinessen einfache architektonische Gestaltungsabsichten umgesetzt werden mussten. Eine großartige schlichte Hülle für große Kunst und gleichzeitig sensibler Umgang und Hervorhebung vorhandener ruinenartiger, historischer Bausubstanz.
    Im Anschluss konnte individuell eine hochkarätige Sonderausstellung von Lyonel Feininger besichtigt werden.

    Der Rückweg zum Hotel führt über den neuen Campus der Luther Universität und die Händelpassage – ein Geschäfts-, Büro- und Wohnungsbauprojekt in einem Altstadtblock. Die Mittagspause genießen wir bei herrlichem Wetter in einem Gartenrestaurant oberhalb der Saale mit Blick auf die Burg Giebichenstein. Es geht weiter über das riesige Gelände der ehemaligen Russenkaserne. Das Zentrum wird zum neuen Uni-Campus umgebaut. Es ist dimensionslos und zu weitläufig. Skepsis, dass es angenommen wird, ist angebracht.
    Halle – Neustadt muss man unbedingt gesehen haben. Eine Durchfahrt reicht für den ersten aber prägenden Eindruck. Hier ist in den 60er Jahren für Chemiearbeiter eine Retortenstadt für bis zu 70.000 Bewohner in Plattenbauweise entstanden. Wie weit hier Rück-, Um- und Neubaumaßnah-men greifen, bleibt abzuwarten. Z.Zt. stehen ganze Wohnblocks leer.
    Obwohl oder gerade weil es in Halle noch viel zu sehen gibt, wie z.B. den Stadtgottesacker, das Salinenmuseum und das Händelmuseum, fahren wir weiter nach Merseburg. Leider hat das Willi Sitte Museum schon geschlossen, aber der noch geöffnete Dom mit Nebengelassen ist eine Besichtigung wert.
    Bei Kaffee und Kuchen lassen wir die vielen Eindrücke Revue passieren. Halle/Saale und Umgebung sind immer wieder eine Reise wert. Fast alle Teilnehmer haben viel Neues, Unerwartetes und Beeindruckendes gesehen.
    Besonderer Dank gilt unserem unermüdlichen Wochenendbegleiter Christian Rieken, Walter Nothdurfts Freund und ebenfalls ehemaliger Denkmalpfleger seiner Heimatstadt Halle.


    Walter Nothdurft